Wie

„Huch? Wieder eine neue Web 2.0 Geburt?  Diesmal eine Ich-bewerte-dich-du-bewertest-mich-Plattform für Webdesigner… Direkt mal angemeldet, ein Projekt alle Projekte reingestellt und das MAXIMUM an Bewertungen abgeben… Oh, nur ein Mal pro IP? Ok, Router resetten, Cookies löschen und nochmal. Notfalls einen Freund beauftragen es mir gleich zu tun. Reicht immer noch nicht? Ok, dann am besten alle anderen so richtig schlecht bewerten. Das gleiche wie eben, halt nur andersrum. Ehrgefühl? Nö.

Sauber! Innerhalb von 10 Minuten der beste Webdesigner weltweit – und das mit dem teilweise absoluten Schrott. „

So ungefähr läuft das meines Erachtens nach in einer der vielen geheuchelten Social Communities ab – oder in diesem Fall bei professionalsontheweb.com – man muss nur genau hinsehen.

Denn sobald sich jemand neu anmeldet sind seine Projekte auf magische Art und Weise mit der vollen Punktzahl ausgestattet, während die in unmittelbarer Nähe befindlichen zuvor angemeldeten Mitglieder plötztlich alle gnadenlos auf 0-2 Punkte absacken. Zufall? Aber wieso wiederholt sich das ziemlich genau bei fast jeder Neuanmeldung die man glücklicherweise in einer kleinen Liste rechts sehen kann? Quantitätsfrage? Ok. Aber wieso klappt das in Plattformen wie gfxartist.com auf Anhieb ganz gut?

Denen ist gar kein direkter Vorwurf zu machen – so läuft das fast überall, wo sich Menschen und Ihre Arbeit im Rahmen eines Bewertungssystems präsentieren. In Plattformen, die einer Anmeldung bedürfen bevor man Bewertungen abgeben kann, bilden sich in kürzester Zeit „eingeschworene Gemeinschaften“, die sich gegenseitig sehr gut und den Rest ausschliesslich schlecht bewerten. Höchstens das schlechte Gewissen des einen oder anderen treibt ihn dann doch mal dazu einen Punkt statt Null abzugeben… „Bekannte und Freunde“ schalten sich gerne ein um beim kräftigen Statistik-Fake zu helfen. Immerhin geht es um potentielle Kunden…

Oder etwa doch nicht?

Wer schaut sich denn solche Websites an? Der potentielle Kunde, der sich sagt „Hey, der ist auf Platz 1, den beauftrage ich mit meinem neuen XYZ-Projekt.“? Wohl kaum, denn was er vorfindet ist der ultimative Durchschnitt.

Wieso? Ganz klar. Hinter der Gier nach Anerkennung, Selbstbestätigung und ggf. sogar Kundschaft sorgt die „Web-Prostituierte“  der Webdesigner dafür, dass sich eine ganz einfache Rechnung auftut:

Designer A+B: 100 mal 5 von 5 Sterne für die jeweils eigene Arbeit
Designer A: 100 mal 0 von 5 Sterne für die Arbeit von Designer B
Designer B: 100 mal 0 von 5 Sterne für die Arbeit von Designer A

= 2.5 Sterne für beide. Der nicht objektive Rest gibt dem Ganzen eben genau diesen…

Seht es euch an, es ist GENAU SO wie ich es beschreibe.

Noch spannender wird es bei Plattformen, die nicht nur für jene interessant sind, die einfach nur den Plagiator raushängen lassen wollen. So kann man – mit ein wenig Geduld – in „Künstlerplattformen“ mit Bewertungs- und Kommentarfunktion ein ähnliches, spannendes Ritual beobachten:

Menschen, die die Arbeit eines anderen Menschen positiv bewerten, bekommen in 9 von 10 Fällen ebenfalls eine positive Bewertung. Ok. Das ist noch nicht so spannend, es sei denn man ist Paranoiker. Interessanter sind nun aber die negativen Bewertungen. Eine negative Bewertung hat meistens zur Folge, dass man auf magische Weise von einer Welle an Negativreaktionen überrollt wird, die jegliche Objektivität ausschliesst. Die einzige Umkehrreaktion wäre nun, dem Bösewicht subjektivität vorzuwerfen. Dieser wird entweder völlig ausrasten oder fortan zu deinem besten Freund mutieren, der dir durchweg positive Bewertungen gibt – so ganz objektiv natürlich.

So am eigenen Leib vor vielen Jahren erfahren (damals gab’s noch kein Web2.0), als ich mich bei a********d.de einer durchweg positiven Spitzenbewertung erfreute, die sich durch meine Arbeiten zog. Als ich mich dann mal dazu durchrang eine konstruktive Kritik an einer meines Erachtens echt schlechten Arbeit zu posten, da traf mich am nächsten Tag der Schlag:

Alle Bewertungen (so durchschnittlich um die 7-9 von 10 Punkten bei vielleicht je 50-200 abgegebenen Bewertungen) hatten nun ca. 3 von 10 Punkten. Das zeugt schon von großem Zufall oder doch wohl eher hartnäckiger Rache für…ja, für was? Ehrlichkeit? Da hilft die Dame, die IMMER positive Bewertungen abgibt dann auch nicht mehr, das zerstörte Vertrauen in eine solche Plattform wieder zu gewinnen. Im Gegenteil.

Ich empfehle hiermit also gfxartist.com, wo man aufgrund der Masse an Mitgliedern gar keine Chance hat sich toller zu machen als man ist und durchaus mit objektiver Kritik rechnen kann.


 

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